ADS & ADHS

Wurde bei Ihrem Kind ADS bzw. ADHS festgestellt oder wird dies vermutet?

ADS bzw. ADHS sind heutzutage Krankheitsbilder mit denen allzu
fahrlässig umgegangen wird und auf die entsprechend oft aus Unwissen oder mangelnder Kenntnis referenziert wird!
Zum Beispiel ist es in Schulen heute schon fast üblich das Lehrer ADS oder ADHS bei Kindern erkennen wollen, welche sich nur schwer beherrschen und motivieren lassen.
Hierbei werden tatsächliche Merkmale für ADS bzw. ADHS oft völlig außer Acht gelassen!

Hat ein Kind erst einmal das Stigma ADS oder ADHS umgehängt bekommen wird es schwierig!
  • Häufig verlieren Kinder ihr soziales Umfeld (Freunde), weil der oder die ist ja nicht ganz richtig im Kopf,
  • Ausgrenzungen in Vereinen oder sogar im familiäreren Umfeld usw. sind zu beobachten,
  • In den Schulen wird schnell über „geeignete“ Maßnahmen bis hin zum Notenschutz usw. diskutiert, ohne dabei zu beachten, das dass betroffene Kinder immer weiter stigmatisiert wird und ggfs. durch eben diese „Schutzmaßnahmen“ bewusst oder unbewusst in das Abseits gestellt wird!

Nicht vergessen darf man hierbei das sich um ADS und ADHS mittlerweile ein florierender Industrie- und Dienstleistungssektor gebildet:
  • Institute/Organisationen die auf ADS bzw. ADHS prüfen.
  • Praxen für psychische bzw. psychomotorische Erkrankungen
  • Ärzte und Krankenhäuser, die ADS bzw. ADHS diagnostizieren und behandeln
  • Pharmaunternehmen die entsprechenden Psychopharmaka entwickeln und produzieren
  • usw.

Hierbei entsteht nun ein extrem wichtiger Punkt den es zu beachten gilt:

Wurde bei Ihrem Kind ADS bzw. ADHS festgestellt oder diagnostiziert?

Wo bitte ist hier der Unterschied?

Die „Feststellung“ erfolgt in den meisten Fällen durch nicht-medizinisches Personal wie Lehrer oder Kindergärtner!
Die Diagnose darf nur durch entsprechend qualifiziertes ärztliches Personal erfolgen und erfordert demzufolge genaue medizinische Kenntnisse der Krankheitsbilder!

Hier ein paar reale Symptome für ADS bzw. ADHS:
  • Ein Kind mit ADHS kann in der Regel keine 30 Sekunden ruhig sitzen
  • Ein Kind mit ADHS ist nicht in der Lage Bewegungsmuster durch Anleitung zu erlernen und diese eigenständig zu wiederholen
  • Ein Kind mit ADHS ist nicht in der Lage auf einen Punkt (z.B. Trainer) zu fokussieren
  • Kinder mit ADS bzw. ADHS können sich nicht auf etwas konzentrieren

Je nach Literatur und basierend auf unsere Erfahrungen auf der Judomatte haben tatsächlich nur 5 - 15% aller Kinder bei denen ADS bzw. ADHS festgestellt wurde auch die entsprechende Diagnose!

Wir als Judo-Lehrer/Trainer haben häufig Kinder auf der Matte denen nachgesagt wird, dass sie ADS oder ADHS haben.
Zum Beispiel hatten wir vor einigen Wochen ein Kind (männlich, 6 Jahre) das erste Mal auf der Matte (wir wurden vorab von der Mutter informiert, dass der Junge ADHS habe und sich in kleinster Weise konzentrieren könne). Im ersten Training (1,5 Stunden) kniete der Junge ruhig auf der Matte und nahm nach Aufforderung aufmerksam an den Übungen teil (selbstverständlich ließ er sich wie jedes Kind in diesem Alter durch die Aktionen der älteren und erfahreneren Kinder auf der Matte etwas ablenken).
Vor kurzem nahm der Junge das dritte Mal am Training teil und konnte alles bisher Gezeigte im völlig normalen Umfang wiedergeben bzw. ausführen.
Dieser Junge ist ein perfektes Beispiel für missinterpretiertes Verhalten.

Zu meiner Jugend in den 70er und 80er Jahre waren die Begriffe ADS bzw. ADHS weitestgehend unbekannt. Dies hatte zur Folge das Kinder in ruhig oder lebhaft klassifiziert wurden.

Aus unserer Erfahrung heraus fehlen Kindern oftmals folgende Begebenheiten:

  • Klare Regeln, Anweisungen und Vorgaben
  • Konsequenz bei Nichteinhaltung von Regeln
  • Disziplin und Selbstdisziplin (heute stellen Kinder meist in Abrede Dinge tun zu können ohne sie je vorher ausprobiert zu haben)
  • Spieltrieb und Abenteuerlust (wir sind auf Bäume geklettert, herunter gefallen und sind wieder hinaufgeklettert - außer wir hatten uns etwas gebrochen!)
  • Wir haben keine Nachrichten an Freunde geschickt oder telefoniert um uns zu verabreden - wir sind aufs Fahrrad gestiegen oder haben Rollschule angezogen und sind zu unseren Freunden gefahren, haben geklingelt und gefragt ob der oder diejenige Zeit und Lust zum spielen habe. Dann sind wir losgezogen! Ohne Handy und völlig unkontrolliert von unseren Eltern. Es genügte die Regel, das wir bei Einbruch der Dämmerung zuhause sein mussten!

Was passiert leider all zu häufig:

  • Kinder sitzen oft ohne zeitliche Regelung vor Fernsehern, Computern, Tablets oder Smartphones
  • Kinder habe kein Gefühl mehr für reale Dinge und soziale Kontakte. Viele Kinder können nicht mit einfachstem Werkzeug umgehen, kreative Dinge tun (Bilder malen, Baumhaus bauen), oftmals existieren Freunde nur noch in virtuellen Welten.
  • Kinder sind verweichlicht (man könnte ja vom Baum fallen und sich weh tun, ruhig und diszipliniert bleiben wenn’s mal brenzlig wird, auch mal neues oder unbequemes ausprobieren oder akzeptieren)
  • Kinder sind nicht in der Lage oder Willens sich mit Konflikten auseinandersetzen (Mitschüler oder Freunde die einmal nicht dem eigenen Wunschmuster entsprechen werden als „Arschlöcher“ abgestempelt und nicht weiter beachtet.
  • Durch die Verarmung sozialer Kontakte kommt es zu Fehlverhalten bzw. der Nichtentwicklung sozialer Kompetenz
  • Gutgemeinte elterliche Aktionen wie das dauerhafte fahren mit dem Auto zu und vom Kindergarten/Schule verhindern die Entwicklung sozialer Kontakte.

Fazit:

einige Dinge die unsere Kinder wieder lernen müssen:

  • Konfliktfähigkeit
  • Körperbeherrschung
  • Verantwortung
  • Willensstärke
  • Durchhaltewillen
  • Disziplin

Eltern müssen lernen:

  • das Kinder leidensfähiger sind als sie vorgeben
  • das die erste und eigentliche Aufgabe von Eltern darin besteht ihre Kinder auf ein eigenständiges und selbstverantwortliches Leben vorzubereiten!
  • nicht sofort zu springen wenn das Kind meint mal wieder etwas nicht zu können!
  • dem Kind Entscheidungen nicht abzunehmen
  • Kinder Konflikte unter sich regeln zu lassen
  • das Kind nicht in Watte zu packen
  • das Kind den Mist den es verzapft hat auch selbst auslöffeln zu lassen.

Der/die Judolehrer/in können hier unterstützend wirken, sind aber nicht die, welche Kinder disziplinieren geschweige denn erziehen, das ist und bleibt die originäre Aufgabe der Eltern!

Ein erfahrener Judolehrer kann mit recht hoher Wahrscheinlichkeit das vorliegen einer ADS/ADHS Erkrankung beurteilen, er/sie kann das aber nicht endgültig, hierfür ist das spezifische und fachlich fundierte Wissen eines entsprechend spezialisierten Mediziners von Nöten!
Bushido-Kai - ADS & ADHS