Tokio Hirano - Der Mann der Judo revolutionierte

Tokio Hirano (1,68m, 75 kg), der den Rang eines Godan (5. Dan) im Alter von 19 Jahren erhielt zählt heute zu den größten Judotechnikern aller Zeiten. Er ist der heute wohl bekannteste japanische Judoka in Europa. Im Jahr 1952 ging Hirano nach Europa um Judo zu lehren. Innerhalb von sechs Jahren errang er mehr als 4300 Siege.
Um Judo zu verbreiten und die bis zu diesem Zeitpunkt bekannten Techniken zu verbessern hatte es sich Hirano zur Angewohnheit gemacht gegen alle Danträger der Stadt in der er lehrte im Wettkampf anzutreten. Im November 1954 besiegte er insgesamt 54 Gegner (1.-3. Dan) mit der Wertung Ippon (Höchste Wertung im Judo), hierzu benötigte er lediglich 34 Minuten.
Traditionelle Nage-Waza (Wurftechniken) wurden in der folgenden Reihenfolge gelehrt: Kumu (Greifen), Tsukuru (Der Eingang und die korrekte Positionierung des Körpers zur Vorbereitung der Wurftechnik), Kakeru (Ansatz zur Ausführung der Wurftechnik) und Nageru (Der Wurf).
Hirano revolutionierte diese Reihenfolge um die Effektivität der angewandten Technik zu erhöhen wie folgt: Tsukuru, Kumu, Kakeru und Nageru. Diese Methode hat sich seitdem bewährt um größere und schwerere Gegner zu bezwingen. Hirano bewies dies mit seinen überwältigenden Siegen. Wilhelm Ruska (Holland) 192 cm, 115 kg, wurde zu seinem erfolgreichsten Schüler. Ruska wurde in den Jahren 1967 und 1971 Schwergewichtsweltmeister. Wilhelm Ruska errang bei den Olympischen Spielen 1972 in München die Goldmedaillen in den Klassen Schwergewicht und offene Klasse.
Im Frühjahr 1955 ging Hirano nach Amsterdam um dort Judo zu lehren.
Während dieser Zeit wurde Hirano von Peter Artz (vierfacher Schwergewichts Europameister im Freistilringen) herausgefordert.
Hirano erklärte sich sowohl zu einem Judo- als auch einem Ringkampf mit Artz bereit.
Jeder der beiden Kämpfe war auf zehn Minuten angesetzt. Der Ringkampf sollte durch eine Bodenhaltetechnik, die für 10 Sekunden gehalten werden musste und der Judokampf durch die Ausführung eines sauberen Wurfes entschieden werden.
Am Begin des Ringkampfes gelang es Hirano Artz mehrere Male zu werfen, allerdings war es ihm nicht möglich Artz auf dem Boden zu halten, da dieser mit unbekleidetem Oberkörper kämpfte. Nach etwa sechs Minuten stieß Hirano einen Kampfschrei aus, sprang hoch und griff den Kopf seines verdutzen Gegners, den er daraufhin mit Koshi-Guruma warf. Schlussendlich hielt er Artz für die geforderten zehn Sekunden in einem Kesa-Gatame Haltegriff und gewann den Ringwettkampf.
Im folgenden Judokampf kam es nicht zu einem Schlagabtausch der beiden Kontrahenten. Nach nur 30 Sekunden warf Hirano Artz mit Ippon-seoinage.
Während der hundertjährigen Geschichte des Kodokan war die Teilnahme am Kohaku Shiai (Rot-Weiß Manschaftswettkampf) die einfachste Art eine Dan-Promotion zu erhalten. Diese Veranstaltung findet zweimal im Jahr (Frühling und Herbst) statt. Durch den Gewinn von fünf Kämpfen mit der Wertung Ippon kann noch für den gleichen Tag die Verleihung der nächsten Danstufe gewährt werden.

Hirano wurde am 6.August 1922 in der Präfektur Hyogo nahe Kobe geboren. Hirano erhielt seinen ersten schwarzen Gürtel für 22 Sieg durch die Wertung Ippon, die er alle durch Osoto-Gari gewann. Zum Zeitpunkt seines Schulabschlusses an der Hei-an High-School hatte er bereits den 3. Dan inne, später wurde ihm vom Kodokan der 4. Dan verliehen.

Auf Empfehlung seines Lehrers Sensei Fukushima wechselte er im April 1941 an die Takushoku University.
Während seines sieben monatigen Trainings an der Takushoku University, tat er nichts anderes als Standtechniken (Ne-Waza) zu üben, er hatte kaum Zeit sich den Tachi-Waza (Wurftechniken) zu widmen.
Am 19. Oktober 1941 nahm Hirano am Kohaku Wettkampf teil. An diesem Morgen erhielt er von Meister Wushijima eine Tüte voll Kakipflaumen als Geschenk. Während des Trainings war Meiste Wushijima so wild und kämpferisch, dass er von all seinen Schülern gefürchtet wurde, auf der anderen Seite war er fürsorglich und freundlich, fast wie ein Vater. Hirano war für die Freundlichkeit und die Ehre Wushijima’s Schüler sein zu dürfen so dankbar, dass er schwor bei dem anstehenden Kohaku Wettkampf sein Bestes zu geben. Hirano verbesserte den bis dahin eimaligen Rekord des Kodokan von 14 Siegen. Alle seine Gegner bei dem Wettkampf waren Träger des 4. Dan und wurden von Hirano mit den folgenden Techniken besiegt: Ippon Seoinage, Juji Gatame, Kamishiho-Gatame, Tai-Otoshi, Ouchi-Gari, Tsurikomi-Goshi oder Osoto-Gari. Mit seinem 15ten Gegner beendete er den Wettkampf schließlich in einem Unentschieden.
Am 31. Oktober 1941 nahm Hirano an der japanischen Studenten- Meisterschaft im Judo teil.
Im vierten Kampf gewann er durch Tsurikomi-Goshi, im fünften Kampf durch Tai-Otoshi und im sechsten Kampf durch Juji-Gatame.
Sein Gegner im Finale war kein geringerer als Yasuichi Masomoto (187 cm, 90 kg, japanischer Studenten-Meister 1948 und bekannt durch seinen Osoto-Gari in der Variante des Tenri-Stils).
Matsumoto griff Hirano mit Osoto-Otoshi an, welcher diesen seinerseits mit Osoto-Gari bzw. Tai-Otoshi konterte. Keinem der beiden gelang es innerhalb der regulären Zeit eine Wertung zu erlangen. Zu Beginn der Verlängerung gelang es Hirano Matsumoto mit Seio-Nage zu werfen, was ihm schlussendlich seinen ersten wichtigen Titel einbrachte. Alle Kämpfe ab der 4. Runde an denen Hirano teilnahm wurden durch Ippon (Wertung mit ganzem Punkt) beendet.
Im folgenden Jahr gelang es Hirano wieder die Meisterschaft für sich zu entscheiden (5*Ippon). Im Halbfinale hatte Hirano einen harten Kampf gegen Okubo (182 cm, 104 kg, 5. Dan) zu bestehen, welchen er durch einen Seio-Nage mit der Wertung Wazaari (halber Punkt) für sich entschied. Im Finale bezwang Hirano Tsunoda mit Osoto-Gari.
1943 bei den nationalen japanischen Meisterschaften traf Hirano erneut auf Okubo. Wie auch bei idem vorangegangenen Kampf 1942 gelang es keinem der beiden innerhalb der regulären Kampfzeit von sieben Minuten eine Wertung zu Erlangen. In der Verlängerung warf Hirano Okubo mit einer Kombination aus Ouchi-Gari und Seio-Nage.
Am 2. November 1947 nahm Hirano an der 3. Japanischen Judo-Einzelmeisterschaft teil (Kimura, Ishikawa – Gewinner 1948 & 1949, Hirosei - Gewinner 1943 und Matsumoto beschlossen nicht an diesem Turnier teilzunehmen um einem der „Neulinge“ den Sieg zu ermöglichen).
Wie auch immer, waren doch Yoshimatsu (Gewinner 1952, '53 und '55) und Daigo (Gewinner '51, '56) unter den Teilnehmern. Im dritten Kampf gewann Hirano durch Seio-Nage, das Halbfinale gewann er wiederum durch Tai-Otoshi.
im Finale war kein geringerer als Hadori (170 cm, 95kg, bekannt für seinen Tsurikomi-Goshi und Kouchi-Gari). Hadori besiegte Daigo im Halbfinale mit Ura-Nage. Im Finale attackierte Hadori mit Tsurikomi-Goshi und Seoi-Nage während Hirano mit Osoto-Gari und Tai-Otoshi zu kontern suchte, jedoch ohne Erfolg. Kurz vor Ende der regulären Kampfzeit jedoch gelang es Hirano eine Wazaari-Wertung (halber Punkt) mit Osoto-Gari zu erzielen und damit die Meisterschaft für sich zu entscheiden.
Jigoku Kego - Höllentraining

In der Oberschule trainierte Hirano sechs Stunden pro Tag Judo-Techniken gefolgt von 2 Stunden Randori (Kampftraining). Dieses Training fand in der Zeit von 20:30 bis 23:00 Uhr im Yoshikatakai Ziku Dojo statt, hierbei kämpfte er gegen Träger des 3. Und 4. Dan’s von Bushen (Schule für Kampfkunst). Er kam keine Nacht vor 01:00 zum Schlafen und begann seinen Tag grundsätzlich um 05:30 Uhr morgens mit 150 Push-Ups, zwei Kilometer laufen und sprinten, gefolgt von einem 40-minütigen Randori.
Auch wenn er klein und unerfahren war (2.Dan) zahlte sich das harte Training aus, da er in der Lage war regelmäßig Träger des 3. Und 4. Dan’s des Bushen zu werfen.
Als Hirano schließlich nach Tokyo ging und unter Meister Wushijima an der Takushoku Universität zu trainieren, realisierte er was Jigoku Kego wirklich war. Es bestand aus einem 5-minütigen Aufwärmtraining, gefolgt von drei bis vier Stunden Bodentechniken – dies war höllisches Training (Höllentraining). Es wurde als als schändlich empfunden, wenn man sich in einem Würgegriff befand aufzugeben, dem zu Folge war es normal im Dojo vier bis fünf bewusstlose Personen vorzufinden.

Das Motto von Meister Wushijima:

Angreifen bis dein Herz zu schlagen aufhört!
Während seiner Zeit an der Takushoku-Universität trainierte Hirano zusätzlich bei der Polizei von Tokyo. An einem dieser Trainingstage war es Hirano gelungen innerhalb von drei Stunden circa 500 Ippon-Wertungen durch Würfe an 60 Dan-Trägern zu erzielen. Judoka aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg waren der Auffassung, das siegen oder verlieren nicht von Talent, sondern ausschließlich von hartem Training abhängig ist.
Hirano erwarb seinen 1. Dan durch 22 Siege (alle mit Ippon-Wertung) bei einem Wettkampf der Oberschulen am 3. November 1939. Im Halbfinale fielen Hirano und sein Gegner aus zwei Metern Höhe vom Kampfpodest. Ungeachtet der Mahnung des Ringarztes kämpfte Hirano weiter, wobei die zwei folgenden Kämpfe jeweils in einem Unentschieden endeten. In der Folge verlor Hirano das Bewusstsein, worauf die Ärzte eine ausgekugelte Schulter und zwei gebrochene Rippen diagnostizierten.
Für die Judoka dieser Ära war Judo kein Sport, vielmehr war es das Duell zweier Samurai. Um den Sieg und die damit verbundene Ehre zu erlangen war unablässiges Training absolut erforderlich. Nicht selten waren 500 Push-Ups, sechs Stunden Kampftraining und ausgiebiges Betreiben von Tachi-ki-Wuchikomi (wiederholtes treten und schlagen gegen einen Baum) übliche Garanten für Erfolg.
Hirano & Ruska
Einmal fragte Ruska Hirano nach dem Schlüssel zu gutem Judo.
Hirano erwiderte, dass es eine solche Medizin nicht gäbe.
Hirano ermahnte Ruska wo immer und wann immer seine Greifkraft und Beweglichkeit der Hüfte zu trainieren.
Zehn Tage vor den Judo-Weltmeisterschaften 1967 trainierte Hirano mit Ruska und bemängelte dessen Wurftechniken (er bezeichnete diese als zweitklassig) und seine Bodentechniken als unmöglich (er bezeichnete diese als fünfklassig). Als Ruska schließlich den Schwergewichtstitel gewann, war Hirano auf der einen Seite sehr Stolz auf seinen Schüler, auf der anderen Seite war er schockiert auf welches Niveau Judo gesunken war.
Die Judo-Welt verliert 1993 zwei seiner Giganten – Hirano und Kimura
Meister Wushijima förderte und trainierte zwei große Judoka, Masahiko Kimura und Tokyo Hirano (Meister Kimura verstarb am 18. April 1993).
Nach 15 Jahren des Reisens und Lehrens in Europa kehrte Tokio Hirano 1966 schließlich nach Japan zurück. Später kehrte er für die Abhaltung von Lehrgängen immer wieder nach Europa zurück.
Nicht unerwähnt bleiben kann, dass Hirano einen persönlichen Schüler in Deutschland hatte (Frank Thiele), der wiederum der Lehrer unseres Judolehrers Jörg Altmann war!
Auch möchte ich auf eine Begebenheit kommen, die man als eine sich selbst auferlegte Aufgabe an der japanischen Gesellschaft bezeichnen könnte.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden viele historische Katana’s (Samuraischwerter) von Soldaten der US-Armee in die USA und nach Europa gebracht.
Hirano machte es sich zur Aufgabe, diese Schwerter aufzuspüren und zurückzukaufen, um sie nach Japan zurückzubringen.
Am 26. Juli 1993 verstarb der großartige Techniker Tokyo Hirano an Krebs.
Die Veröffentlichung seiner beiden Bücher “Sekai Nage Aruki“ und „Hono No Judo” werden dafür sorgen, dass Hirano nicht vergessen wird.

Hirano’s Markenzeichen der Tai-Otoshi

Wandel ist unvermeidbar, Wachstum eine Option!

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Bushido-Kai - Tokyo Hirano